Roelant Savery

(Courtrai/Kortrijk 1576-1639 Utrecht)

Blumenstillleben
Signiert auf dem Sims untere Mitte: ROELANDT SAVERY FE
Öl auf Kupfer, Maße: 32 x 24,5 cm

 

Blumenstilleben mit Schwertlilien, Rosen, Tulpen, Vergißmeinnicht, einer Schachblume, einer Schafgarbe und anderen Blumenarten in einer Glasvase, die in einer steinernen Nische mit Gartennelke und Eidechse auf dem Sims steht.

Von Roelandt Savery sind nur 25 authentische Blumenstilleben bekannt. Erstmals hatte sich Savery 1603 mit zwei Gemälden (Öl auf Kupfer, 29 x 19 cm) auf diesem Feld der Gattungsmalerei zu Wort gemeldet – in dem Exemplar des Centraal Museum Utrecht, dessen Jahreszahl lange Zeit falsch als 1601 bzw. 1604 gelesen wurde - und dem der Sammlung F. Petschek (Ausstellungskatalog Gent, Roelant Savery 1576 – 1639, 10.4.-13.6.1954, S.13/ Nr. 2, mit Abbildung).

Wie in fast allen anderen floralen Stilleben jener Zeit, so hat Savery auch in dem Gemälde der Galerie Neuse Blumenarten aus verschiedenen Jahreszeiten miteinander vereint. Der Strauß wurde nicht unmittelbar nach der Natur gemalt, sondern aus Einzelstudien zusammengefügt. Die abgefallene Nelke links und die Blätter in der rechten Nischenecke gemahnen an die Vergänglichkeit menschlichen Lebens, während – als Antithese – die Zauneidechse unten rechts, da sie sich verwandelt, d.h. ihre alte Haut abstreift und sich in ihrer neuen Haut zeigt, den Auferstehungsgedanken im Sinne der Erlösung der menschlichen Seele vergegenwärtigt. Ein religiöser Sinngehalt, der Saverys Blumenstilleben häufig von der Forschung zugesprochen wird, mag anhand der im Bild verwendeten Blumensorten auch hier enthalten sein. Die bekrönende Schwertlilie kann als Symbol der göttlichen Majestät und, aufgrund ihrer Blütenform, der Dreifaltigkeit verstanden werden, die Rose als Zeichen göttlicher Liebe. Das Vergissmeinnicht hatte die Bezeichnung „Christusauge“ („Oculus Christi“).

Insgesamt erscheint das Gemälde, vor allem gegenüber weiteren bekannten Arbeiten von Savery, kompositorisch beruhigt. Dieselbe moralisierende Aussage, für die Savery sonst bei ähnlich kleinen Formaten in entomologischer Beflissenheit eine Vielzahl von Insektenarten (u. a. Totenkopfschwärmer, Totengräber, Eintags- und Schmeißfliege) aufgeboten hat, wird hier auf das motivisch Wesentliche begrenzt.

Der freie, weiche Duktus, verbunden mit der Tendenz zur formalen Stilisierung, aber auch die Zierlichkeit in der Wiedergabe von Blüten und Blättern lassen auf eine Entstehung des Bildes in die Hauptzeit für Saverys Blumenstilleben schließen. Weitere Kennzeichen dafür sind die schmale Bouquetform (ab 1617) und die sibirische Schwertlilie, die in seinen Blumenstücken erstmals 1615 auftaucht und - wie auch im Bremer Gemälde – in der Regel die Bouquetspitze bildet. Müllenmeister setzt das Bild der Galerie Neuse in seinem WVZ 1988 allerdings schon etwas früher, d.h. gegen 1612 an. Ein in vielerlei Hinsicht vergleichbares Stück, aus dem Jahr 1630, befindet sich im Musée Curtius, Lüttich.

 

blumenstill_uebersicht
  1. Aquilegia vulgaris
  2. Erysimum cheiri
  3. Mosotis scorpiodes
  4. Anemone pavonina
  5. Rosa x alba subplena
  6. Rosa x provincialis
  7. Dianthus caryophyllus plenus
  8. Fritillaria latifolia
  9. Lilium bulbiferum subspecies croceum
  10. Iris x swertii
  11. Rosa rubiginosa
  12. Anethum graveolens
  13. Iris sibirica
  14. Anthriscus caucalis
  15. Tulipa stapfii x T. agenensis
  16. Nigella damascena
  17. Scilla bifolia
  18. Chelidonium majus
  19. Dryopteris filix-mas
  20. Dianthus caryophyllus plenus bicolour
  21. Cyclamen hederifolium
  22. Eryngium maritimum
  23. Poa pratensis
  24. Fumeria officinalis 

 

 

 

Provenienz:

  • Eugen Slatter, London 1957

 

Literatur:

  • K. J. Müllenmeister, Roelant Savery Kortrijk 1576–1639 Utrecht. Hofmaler Kaiser Rudolf II. in Prag – Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Freren 1988, Kat. Nr. 292, S. 341, Abb. S.

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