Johann Heiss

(Memmingen 1640-1704 Augsburg)

Allegorie der Sonne
Signiert unten links: JHeiß fecit
Öl auf Leinwand, Maße: 83 x 106 cm


Die vielfigurige allegorische Darstellung von Johann Heiss ist ein Lehrstück der deutschen Barockmalerei. Mindestens zwanzig göttliche Wesen allegorisieren die vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde und die Vier Jahreszeiten. Die allumfassende treibende Kraft dafür ist die Sonne, die als Gott Sol im Triumphwagen im Zentrum der Komposition steht.

Für Johann Heiss ist es sehr typisch, das bestimmte Themen variiert mehrmals von ihm ausgeführt wurden. So auch in diesem Fall, ein allerdings nicht signiertes, ein wenig größer ausgeführtes Gemälde, das Königfeld in seiner Werkmonographie folgendermaßen beschreibt:

„In Form eines komplexen Bilderrätsels wird die Macht der Sonne über Tages - und Jahreszeiten sowie die Elemente vorgeführt. Beherrschend auf Wolken Sol-Helios in einer Quadriga, dem Morgenstern und Morgenröte vorausstürmen, den Tag ankündigend. Hinter ihm die geflügelte Nacht, in deren Dunkel ein Faun mit einer Frau, die im Schatten ihrer Wollust frönen. Darüber Mondgöttin-Selene, die Sol nachfolgt. Merkur-Hermes hinter ihr ist auch Gott des Schlafes und der Träume (Hunger 1974, S. 177). Die unerschütterliche Bewegung der Sonne macht der von links aufsteigenden Zodiakus deutlich (Panofsky 1962, S. 93), dessen Zeichen - Waage, Skorpion und Schütze - für Herbst stehen (Seznac 1990, S. 39). Minerva, die sich auf ihm niedergelassen hat, bringt den Sterblichen den Pflug (Hunger 1974, S. 74). Rechts von ihr Jupiter, Verkörperung des Feuers, und seine Gattin Juno, die das Element Luft personifiziert, auf Wolken.

In der Bodenzone wenden sich verschiedene allegorische Darstellungen Sol zu, der als Symbol und Garant alles Lebens auf Erde, als Licht- und Wärmequell erscheint: rechts Ceres mit ihren Kindern, deren Rolle als noch ruhende Frühlingserde eine unter einer Felldecke schlafenden Mann, ihre Fruchtbarkeit Hasen (Henkel/Schöne 1967, S. 483); zum Hasen als Sinnbild fleischlicher Lüste vgl. Tervarent 1958, Sp. 24) versinnbildlichen.

Unmittelbare Beziehung zu Ceres hat Flora, Göttin der Blumen und Blüten. Die öde Fläche, die sich zur Mitte anschließt, deutet wohl auf die alles versengende Hitze der Sommersonne, die aber auch Früchte, Getreide und Blumen sprießen läßt.

Ein weiblicher Akt mit dunklem Tuch um Haupt und Schulter, vermutlich Proserpina, Tochter Demeters (Hunger 1974, S. 101 f.), die während der Sommermonate unter der Erde weilt und erst zu Herbstanfang erscheint, bietet Sol Gaben der Erde an, mit denen eine Erdenkind spielt. Ein zweites bringt Ceres Reben. Herbstliche Geschöpfe um den anbetend knienden Faunus, Schirmherr des Ackerbaus und der Herden, geschart, der auf Karaffen mit berauschendem Wein weist. Hirtin führt eine Ziege, Tier des Faunus, Satyrn und Frauen tragen Reben heran. Links um die geflügelte Personifikation des Winters, in dessen Gestalt sich Chronos und Saturn und damit der Vanitasgedanke assoziativ verbinden (Möller 1954, Sp. 765 f.; Bialostoki 1966, S. 195), Erdwesen und Quellgötter, die für das Element Wasser stehen".

Das Zitat stammt von Königfeld, (vgl. Peter Königfeld, Johann Heiß, Memmingen und Augsburg 1640-1704, Weißenhorn 2001, Kat. Nr. B 20, S. 295).

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