Johann Christian Reinhart

(Hof/Oberfranken 1761-1847 Rom)

Klassische Ideallandschaft
Signiert und datiert in der Mitte vorne: J.C. Reinhart f. Romae / 1813
Öl auf Leinwand, Maße: 147 x 212 cm


Johann Christian Reinhart, berühmt für seine Landschaftsradierungen, hat nur wenig Gemälde hinterlassen. Ab Mitte der 1790iger Jahre entwickelt Reinhart die arkadische Landschaft hin zur heroischen Ideallandschaft, immer sein Vorbild Claude Lorrain vor Augen. Das hier vorliegende, großformatige Landschaftsgemälde ist nach allen Künsten der klassizistischen Landschaftsmalerei durchkomponiert: mit rahmenden Baumgruppen, einem in der Mitte abfallenden Gelände, einem in die Tiefe führenden Weg, einem See und antikisierenden Gebäuden auf dem Hügel sowie einem tiefen, weiten Horizont. Ein sitzender Bettler links, zwei ruhende Hirten mit ihrer Ziegenherde rechts, ein fliehender Reiter und andere Figuren im Mittel- und Hintergrund beleben die Landschaft. Auch Farb- und Lichtkomposition sind exakt und ausgewogen durchgestaltet. Der Brunnen in der rechten Bildhälfte trägt den griechischen Schriftzug XAIPE („SEI GEGRÜSST"), links davon sind Mauerquader angeordnet. Diese monumentale Ausführung vereint alle Bestandteile der 1810 und 1811 entstandenen Versionen und schließt die Werkgruppe der klassischen Ideallandschaften von Reinhart als einen Höhepunkt ab.

Reinharts landschaftliche Kompositionen sind einander eng verwandt, auch eine zweite sogar dritte Fassung ist nichts Ungewöhnliches. "Die nach Gesetzen bildästhetischer Harmonie im Sinne des Klassizismus stilisierten Landschaften sind ausstaffiert mit griechisch geschürzten Jünglingen im Vordergrund und antiken Gebäuden im Mittel- oder Hintergrund" (Feuchtmayr 1975, S.85) Bausteine wie Tempelportikus, Pantheonkuppel tauchen immer wieder auf. Etwas Frohes, Erhabenes strahlt diese Werkgruppe von insgesamt vier Gemälden aus. Neben den Sturmlandschaften ist dies der zweite wesentliche Grundtypus seiner Landschaftsmalerei. Am Beginn steht die 1810 datierte Zeichnung, gefolgt von den drei, in mittelgroßen Formaten 1810 und 1811 ausgeführten Versionen dieser Ideallandschaft. Das Jahr 1813 erbrachte für Reinhart die Aufnahme in die Accademia di San Luca und den Auftrag von zwei Landschaftsgemälden durch den bayerischen König Maximilian I., die aber heute nicht mehr nachzuweisen sind.

Geboren wurde Reinhart im oberfränkischen Hof. Er begann zunächst ein Theologie-studium in Leipzig, bei Oeser erhielt er Mal- und Zeichenunterricht. 1783 ist er an der Akademie in Dresden nachweisbar, 1786-89 am Hof von Sachsen-Meinigen. 1789 ist er bereits in Rom, wo er sein weiteres Leben verbringen wird. 1810 wird er Mitglied der Akademie in Berlin und 1839 der Münchener Akademie. Im selben Jahr (1839) erfolgt die Ernennung zum bayerischen Hofmaler durch König Ludwig I.

 

Zeichnung und weitere Versionen:

1. Kreide/Tusche-Zeichnung in der Hamburger Kunsthalle, datiert 1810, 42,5 x 56,8 cm (WVZ Z 117)
2. Gemälde in der Ermitage St. Petersburg, datiert 1810, 56 x 75 cm (WVZ G 32 f)
3. Gemälde im Privatbesitz, datiert 1811, 45,7 x 60,2 cm, (WVZ G. 32 g)
4. Gemälde im Museum für bildende Künste Leipzig, "durch Kriegsfolgen abhanden gekommen (1952), datiert 1810, (WVZ G 83)


 

Literatur:

  • Inge Feuchtmayr, Johann Christian Reinhart 1761-1847, Monographie und Werk-verzeichnis, München 1975, S. 85, 91 ff, WVZ Z 117, G 32 f, 32 g, G 83.
  • Kat. Heroismus und Idylle, Formen der Landschaft um 1800, Wallraf-Richartz-Museum.

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