Rokoko-Humpen


Silber, innen vergoldet
Danzig, 1778-1784
Carl Ludwig Meyer (geboren 1740, Meister 1771-1803)
Höhe: 27,2 cm, Gewicht: ca. 2900 g

Der Humpen mit gebauchter Gefäßwandung steht auf drei kräftig ausgeformten Klauenfüssen, die eingerollte Voluten umfassen. Oben wird das Trinkgefäß von einem leicht gewölbtem Deckel abgeschlossen. Als Handhabe dient der s-förmig geschwungene Henkel.

Die große Delikatesse des Humpens besteht in seiner ornamentalen Gestaltung durch plastische Rokokoelemente, die das Gefäß quasi zu einer Skulptur erheben. Von glatt belassenen Flächen über feine Punzierungen hin zu den naturalistischen Ornamenten und dem phantasievoll gestaltenen Henkel reicht das variantenreiche Formenrepertoire des Goldschmiedes.

Humpen sind eigentlich typische Gefäßformen des 16. und 17. Jahrhunderts, im folgenden kommen sie aus der Mode und werden dann seltener angefertigt. Umso erstaunlicher ist dieser Danziger “Erscheinung“, der sicherlich auf einen ganz speziellen Auftrag zurückgeht, der die ganze Kunst und Handfertigkeit des Goldschmiedes Meyer erforderte. Nicht nur formal griff der Goldschmied auf eine bewährte Form des Trinkgefäßes zurück, sondern auch die Rokokoornamentik spricht um 1780 für ein eher beharrenden Moment. In der Goldschmiedekunst ist diese Tatsache keine unbekannte Erscheinung, im Zunft- und Schützensilber - das gerne Traditionen wahrt - kommt die Rückbesinnung auf alte Formen häufiger vor. Auch deshalb ist diese Goldschmiedearbeit als eines der letzten großen Werke der Danziger Goldschmiedekunst des 18. Jahrhunderts zu betrachten und ein prachtvoller, letzter Vertreter der jahrhundertealten Gefäßform des Humpens.


Literatur:

Eugen von Czihak, Die Edelschmiedekunst früherer Zeiten in Preussen, Westpreußen, Leipzig 1908, Nr. 506.


 

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