Silber, teilvergoldet

wohl Hamburg um 1690-1700

Höhe: 47 cm, Gewicht: 2.350 g

Uppsala / Finnland 1633-1713 Stettin

Generalgouverneur von Pommern,
Bremen und Verden 
Kanzler der Universität Greifswald,
schwedischer Feldmarschall

Detailbeschreibung

Provenienz:
Freiherr Karl von Rothschild (1820-1886), Frankfurt

Jürgen Graf von Mellin entstammte einem ursprünglich in Mecklenburg ansässigen, im 16. Jahrhundert in schwedische Dienste getretenen Adelsgeschlecht, das unter anderem in Estland und Finnland Besitzungen erwarb. Sein Vater Bernd Mellin (1608–1690) war Hauptmann in Kexholm und später Landeshauptmann in Ingermanland.

Im Jahr 1649 begann er seine militärische Laufbahn als Musketier in einem, von seinem Vater für Schweden angeworbenen, deutschen Regiment. Er diente in verschiedenen Garnisonen in Finnland und im Baltikum. 1659 war er Generaladjutant des Königs Karl X. Gustav. Im Rang eines Oberst wurde er 1675 Kommandeur des Wrangelschen Dragonerregiments in Pommern. Er nahm an der Schlacht bei Fehrbellin teil. Danach war er zunächst Festungskommandant in Anklam und wurde anschließend Kommandant der Festung Stettin.

1681 wurde er Oberbefehlshaber aller schwedischen Truppen in Pommern. Im selben Jahr tauschte er sein Familiengut Wahnerow in Hinterpommern gegen Damitzow in Vorpommern, wo er von nun an seinen Landsitz hatte. Durch erfolgreiche Bewirtschaftung seiner estnischen, finnischen und pommerschen Güter konnte er ein ansehnliches Vermögen erwerben. In Vorpommern konnte er seinen Besitz um die Güter Neuendorf, Boldevitz, Mönkvitz und Ramitz erweitern.

1686 zum Generalmajor der Infanterie befördert, wurde er 1688 Vizegouverneur von Schwedisch-Pommern. 1690 ist er Kommandeur des schwedischen Reichskontingents, das der schwedische König Karl XI. als deutscher Reichsfürst und infolge der Augsburger Allianz während des Pfälzischen Erbfolgekrieges zur Reichsarmee stellte und an den Rhein sandte.

1691 wurde er in den schwedischen Freiherrenstand erhoben, im Jahr 1693 zum Generalleutnant befördert und zum Gouverneur von Wismar ernannt. Am 26. August 1696 wurde Jürgen Mellin in den schwedischen Grafenstand erhoben und Generalgouverneur von Bremen und Verden. Zum schwedischen Rat ernannt, wurde er am 28. August zum Feldmarschall befördert. Am 4. Juli 1698 wurde er durch den schwedischen König Karl XII. zum Generalgouverneur von Pommern und als Kanzler der Universität Greifswald eingesetzt.

Als Gouverneur förderte er den Handel der vorpommerschen Städte, der bis zur Besetzung Vorpommerns während des Großen Nordischen Krieges einen Aufschwung erlebte. In seiner Eigenschaft als Kanzler der Universität holte er Johann Friedrich Mayer als Professor der Theologie und Prokanzler nach Greifswald und erließ 1702 eine von Mayer entworfene neue Studienordnung.
1711 trat Jürgen Graf von Mellin aus gesundheitlichen Gründen von seinen Ämtern zurück. Nach seinem Tod stifteten die Städte Stralsund und Stettin 6000 Taler, mit denen ein Kupfersarg und eine aufwändige Trauerfeier finanziert wurden.

Jürgen Mellin heiratete in erster Ehe 1655 in Reval Anna Magdalena von Löwen (1636–1690). Aus der Ehe entstammten 2 Söhne, die eine Militärlaufbahn in schwedischen Diensten einschlugen. Vom ältesten Sohn Bernd Johann stammt der in Pommern und Estland ansässige gräfliche Ast der Familie ab. In Stettin heiratete er in zweiter Ehe 1691 Eva-Sophia (1644–1707), Witwe des Franz von Horn, Regierungsrat und Schlosshauptmann von Stettin und Tochter des Enno Freiherr von Innhausen und Knyphausen.

Bei dem Wappen auf der Prunkkanne aus ehemaligem Rothschild-Besitz handelt es sich um das Mellin-Wappen, jedoch nicht des pommerschen, sondern des livländischen Zweiges (Reichsgrafenstand 1696). Das pommersche Wappen (Freiherrenstand 1691) enthält zwar einige der Bestandteile des vorliegenden, jedoch weniger und in ganz anderer Anordnung. Eigentümer war ein höherrangiger Angehöriger des gräflichen livländischen Zweiges.

Mehrere vergleichbare, große Barockkannen sind von dem Hamburger Goldschmiede Friedrich Kettwyck erhalten (1643-1670), so eine Weinkanne aus dem Besitz von Herzog Georg Wilhelm zu Braunschweig-Lüneburg, die heute im Kestner Museum in Hannover verwahrt wird.


Literatur:
Werner Buchholz: Mellin, Jürgen Graf. In: Neue Deutsche Biographie (NDB).
Band 17, Berlin 1994, S. 23

Jürgen Mellin. In: Nordisk familjebok. Band 18. 2. Aufl. Stockholm 1904–1926,
S. 61 f

Johann Gottfried Ludwig Kosegarten: Geschichte der Universität Greifswald mit
urkundlichen Beilagen. Bd. 2, C.A. Koch, 1856, S. 146

Dirk Alvermann (Hrsg): Die Universität Greifswald in der Bildungslandschaft des
Ostseeraums, Berlin-Hamburg-Münster, 2006

 



Der Schatz des Freiherrn Karl von Rothschild, Meisterwerke alter Goldschmiedekunst aus dem 14.-18. Jhd., hg. v. F. Luthmer,
Frankfurt 1889, Abb. Tafel XI