Hermann Böhm

(Wien, tätig 1866-1922)

Tafelaufsatz in Form des Vogel Roc
Silber, vergoldet, Lapislazuli, Email, Schmucksteine, Perlen
Wien, um 1890
Höhe: 38 cm

Hermann Böhm gehörte zu den bekanntesten und besten Vertretern der Goldschmiedekunst der Neorenaissance. Im Stil des 16. Jahrhunderts schuf er Kostbarkeiten aus Email, Bergkristall, Halbedelsteinen Perlen und Niello. Als Inspiration dienten ihm Kunstkammerobjekte des 16. Jahrhunderts in den kaiserlichen Sammlungen. 1866 gründetet er eine "Gold- und Silberwarenfabrik".

Die sorgfältige, detaillierte Bemalung der Rückseiten in zarter Farbgebung waren charakteristisch für Böhms feinen Emailarbeiten. Solche kostbaren Kleinkunstwerke wurden seit 1870/71 in Wien gefertigt und unter großer Beachtung auf den dortigen Weltausstellungen 1872 und 1878 präsentiert. "Wiener Email" wurde vor allem nach Amerika exportiert.

Der Vogel Roch, auch Roc, Rokh, Ruch oder Rock (von arabisch „ar-Ruchch“ (الرُخّ), aus dem Persischen) ist ein Wesen aus den arabischen Erzählungen von Tausendundeiner Nacht. Er wird aber auch in Beschreibungen von Marco Polo und anderen Reisenden und Händlern des Indischen Ozeans erwähnt und ist nach deren Aussagen größer als ein Mensch. Der bekannteste Held aus „Tausend und einer Nacht“, Sindbad der Seefahrer, band sich an ein Bein des Vogels Roch, um von einer abgelegenen Insel zu entkommen. Dem Märchen nach ernährte sich der Vogel von Elefanten.

Meyers Konversations-Lexikon von 1888 schreibt sinngemäß dazu:

Der Vogel Rock ist in den arabischen Märchen ein Vogel von so fabelhafter Größe und Stärke, daß er einen Elefanten durch die Lüfte zu tragen vermag. Er ist ein gebräuchliches Vehikel für Luftreisen, die in den arabischen Märchen so häufig sind, und spielt auch seine Rolle in der mittelhochdeutschen Poesie.


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