Guéridon “Windspiele“

Zinkguss
Berlin, um 1846
Entwurf: Johann Heinrich Strack (Bückeburg 1805-1880 Berlin)
Ausführung: Zinkgussfirma Geiß
Höhe: 83 cm, Durchmesser: 67 cm

Bereits Ende der 1830er Jahre hatte sich Zink als Material der Bau- und Bildkunst durchgesetzt. Das Verfahren wurde von der Zinkgussfirma Johann Conrad Geiß (1794-1846) & Philipp Konrad Moritz Geiß (1805-1875) in Berlin entwickelt. Der jüngere Geiß besuchte das Gewerbeinstitut in Berlin, erlernte dann ein Jahr lang den praktischen Betrieb der Eisengießerei in Gleiwitz und Malapane in Schlesien und kehrte ins elterliche Haus zurück, wo er sich nun in künstlerischer und wissenschaftlicher Richtung weiter ausbildete. Nach einer längeren Reise durch England und Frankreich begann er 1832 den Betrieb seiner Zinkgießerei in Berlin, welche bald, durch Schinkel begünstigt, eine größere Bedeutung gewann.

Karl Friedrich Schinkel bediente sich des Zinkgusses für die Architektur. Das Gesims der Universität war eine der ersten größeren Arbeiten der jungen Fabrik. Der Anwendungsbereich in der Architektur wuchs mit großer Geschwindigkeit. Abgüsse von Antiken fanden weite Verbreitung auch im Ausland, zumal Geiß es vortrefflich verstand, den Zinkguss bronzeartig zu färben. Außerdem wurden Schöpfungen bedeutender lebender Künstler, wie Rauch, Schinkel, Stüler, Persius, Kiß, Schadow etc. gegossen und zahlreiche Gebrauchsgegenstände für das tägliche Leben in den Handel gebracht, so dass der Zinkguss bald populär wurde.

Abbildungen seiner Arbeiten veröffentlichte Geiß unter dem Titel "Zinkguß-Ornamente nach Zeichnungen von Schinkel, Stüler, Persius etc." (Berl. 1841-52, 21 Hefte). Der Entwurf  von Johann Heinrich Strack befindet sich im Heft 14, 1846, Tafel 1, Nr. 2.

Die Firma Geiß lieferte u.a. die Viktoria der Siegessäule in Siegburg (nach Christian Daniel Rauch). Die beiden Viktorien in der Orangerie des Schweriner Schlosses (die originalen Zinkgüsse sind verloren und wurden erst kürzlich ersetzt) sind ebenfalls von Geiß hergestellt worden.

In den Jahren 1825 bis 1832 war Strack im Atelier von Karl Friedrich Schinkel bei der Einrichtung der Wohnung für den Kronprinzen Friedrich Wilhelm im Berliner Schloss und 1827 bis 1832 unter Friedrich August Stüler bei dem Umbau des Palais des Prinzen Karl tätig. Im Jahre 1841 wurde Strack zum Professor an der Kunstakademie berufen, wo er seit 1839 als Lehrer für Architektur tätig war. Im Jahre 1842 trat Strack ins Hofbauamt als Hofbauinspektor ein, wo er 1875 den Rang des Geheimen Oberhofbaurats erreichte. Strack war dort hauptsächlich im Dienst des Thronfolgers Prinz Wilhelm von Preußen tätig. Zu seinen Aufgaben gehörten auch Entwürfe von Innenausstattung und Möbeln. 1850 wurde er Mitglied der neu errichteten Technischen Baudeputation. 1854 erfolgte die Berufung zum Professor an der Berliner Bauakademie als Nachfolger Stülers.

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